SPD Tettnang

140 Jahre Tettnanger SPD - Zeitzeuge:

Veröffentlicht am 27.10.2010 in Ortsverein

Willi Rumsauer - Genosse seit 50 Jahren

Willi Rumsauer, seit 50 Jahren Genosse

50 Jahre SPD-Mitglied, das gehe nur, wenn die große Linie stimme. Schließlich, so der dienstälteste Tettnanger Sozialdemokrat, gehe es ihm um die soziale Idee und darum, auch die Schwächeren zu vertreten. Dafür habe er sich immer politisch engagieren wollen.

Der gebürtige Donauschwabe Rumsauer, Jahrgang 1926, hatte es zwischen seinem 18. und 27. Lebensjahr nicht eben leicht.

Schwierige Zeiten prägen

Willi Rumsauer wurde als Volksdeutscher Ungar 1944 in den Krieg gepresst, kam dann bis 1950 in die Kriegsgefangenschaft nach Russland. Von dort zurück internierten ihn die Ungarn noch einmal drei Jahre in einem Arbeitslager. Erst am 8. Mai 1953 kam er, der nie aktiv an Kriegshandlungen beteiligt war, frei. Dafür empfing man ihn in Tettnang, wo seine Eltern untergekommen waren, wie einen verlorenen Sohn: mit Bürgermeister, Landrat und Glockengeläut. „Da habe ich gewusst, hier ist mein neues Zuhause“.
Als Arbeitsvermittler und Sachbearbeiter fand Rumsauer schließlich beim Arbeitsamt Friedrichshafen und Ravensburg seine berufliche Erfüllung. „Mit und für Menschen arbeiten hat immer Freude gemacht.“ Nebenher war er in Friedrichshafen und später in Tettnang als Sänger beim Sänger-Bund, Liederkranz und Sängerkranz aktiv. Aber vor allem zeigte er immer politisches Interesse. Schon in Schule waren dem kleinen Willi „revolutionäre Tendenzen“ bescheinigt worden, als er sich für Mitschüler einsetzte.

Politisch interessiert und aktiv

Schließlich war er nach dem Krieg vom Godesberger Programm der SPD überzeugt – und trat dann auch im Dezember 1960 in die Sozialdemokratische Partei ein. Willi Rumsauer engagiert sich bis heute. Als Kassenwart, erklärt er, habe man damals die Parteibeiträge noch persönlich bei den Mitgliedern einkassiert. „Das war eine Menge Arbeit, hatte durch den persönlichen Kontakt aber auch viele Vorteile.“
Schließlich war Rumsauer immer wieder Vorstand, Kreisdelegierter und zwischen 1983 und 1987 und nochmals von 1991 bis 1993 Tettnanger Ortsvereinsvorsitzender.
Neben seinem Engagement in der SPD war der Senior-Genosse auch nach seiner Pensionierung drei Jahre im Stadtseniorenrat Tettnang.

Gute und schlechte Zeiten

Ja, erläutert SPD-Veteran Rumsauer, über einen Ausstieg aus der SPD habe er auch schon mal nachdenken müssen. Die Kosovo-Kriegserklärung, die Agenda 2010 und anderes hätten ihn schon zum Zweifeln gebracht.
Aber die SPD vertrage auch viele Gegensätze. Und auf der anderen Seite habe er viele Persönlichkeiten getroffen, die seine Linie mitgetragen hätten – und so viele persönliche Freunde, dass er dabeigeblieben sei. In Berlin fühle er sich „als sozialistischer Demokrat oder demokratischer Sozialist“ zum Beispiel vom SPD-Politiker Ottmar Schreiner vertreten.
Leidenschaft für die Partei zeigt sich, wenn Rumsauer aus dem Nähkästchen plaudert. Stolz ist er auch auf die vielen Unterschriften der Parteigrößen, die er persönlich bekommen hat. Angefangen von Erich Ollenhauer über Herbert Wehner und Willy Brandt bis zu Oskar Lafontaine. Die Linken seien für ihn keine Alternative, so viel Links wie sein müsse, ginge auch in der SPD.

Aktuell mit eigener Meinung

Zur Frage der Integration hat Rumsauer auch seine eigene Meinung. In Ungarn damals sei auf dem Schulhof Ungarisch auf dem Pausenhof Pflichtsprache gewesen. Da kämen ihm heutige Forderungen irgendwie bekannt vor. Und bei Stuttgart21 habe er von Anfang an eine eigenständige Meinung gehabt. Ganz klar dagegen sei er, denn das viele Geld werde anderswo viel dringender gebraucht. Bei der Elektrifizierung der Südbahn zum Beispiel. Das hätten die in Stuttgart auch mehrfach von ihm schriftlich bekommen.

Weiter mit der SPD

Für die Zukunft hat der 83-jährige noch viele Pläne. Nach dem Tettnanger SPD-Jubiläum am kommenden Freitag wird er am Samstag an der Herbsttagung des Verbandes der sozialdemokratischen Parteien im Bodenseeraum (SBI) teilnehmen. Gegen die Atomlobby müsse man etwas tun und außerdem fehlten noch die Unterschriften von Hans-Jochen Vogel und Sigmar Gabriel.

(SZ Tettnang, oej)

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