Gründungsgeschichte der SPD im Altkreis Tettnang

Von Andreas Fuchs und Gerhard Raichle

Am 23. Mai 1863 wurde auf Betreiben von Ferdinand Lassalle der „Allgemeine Deutsche Arbeiter-Verein“ ins Leben gerufen. Dieses Datum gilt als Geburtsstunde der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), mit einem großen Festakt am Gründungsort Leipzig wurde bereits bundesweit dieses 150-jährigen Gründungsjubiläums gedacht. Auch in Oberschwaben kann die SPD auf eine lange Tradition zurückblicken, wenngleich sie in dieser Gegend aufgrund der wirtschaftlichen Infrastruktur und eines tief verwurzelten Katholizismus zu keiner Zeit das politische Geschehen dominierte.

Der nachstehende Artikel widmet sich den Anfängen der Sozialdemokratie im ehemaligen Oberamt und späteren Landkreis Tettnang. Dieselben lassen sich allerdings nicht im stark industriell geprägten Friedrichshafen verorten, sondern im einstmals beschaulichen Landstädtchen Tettnang. Dort bildete sich vor 143 Jahren eine erste organisierte Mitgliedschaft der Sozialdemokratie, dort nimmt auch die Rundreise zu den regionalen Wurzeln der SPD ihren Ausgangspunkt.

 

Tettnang

„Mit August Bebel von der Arbeiterbildung zur Arbeiterpolitik“

Der älteste Stützpunkt der Sozialdemokratie im früheren württembergischen Oberamt und nachmaligen Landkreis Tettnang findet sich in Tettnang selbst, was - angesichts der auch heute noch eher ländlich anmutenden Struktur von Stadt und angrenzendem Umland - zunächst eher verwundern mag.

Doch entstand die Tettnanger Sozialdemokratie nicht aus einer industriellen Arbeiterschaft heraus, sondern sie war seinerzeit ein Abkömmling des 1866 gegründeten Arbeiterbildungsvereins, dem vorwiegend wandernde Handwerksgesellen angehört hatten. Denselben wurden, unter Anleitung örtlicher Honoratioren, Lehrvorträge gehalten, auch diente dieser Zusammenschluss zur Einbindung einer potentiell gesellschaftskritischen Klientel in das obrigkeitsstaatliche Gefüge. Doch im Spätherbst des Jahres 1869 änderten sich die politischen Grundeinstellungen im bislang vaterländisch orientierten Arbeiterbildungsverein Tettnang recht deutlich: Seine Mitglieder waren vom „Bruderverein Ravensburg“ eingeladen worden. Dort referierte am 7. November der auf einer Agitationsreise befindliche Abgeordnete des Reichstags des Norddeutschen Bundes August Bebel über die Anliegen und Ziele der Sozialdemokratie. Bebel verstand es, seine Zuhörer aus Ravensburg, Weingarten und Tettnang zu begeistern. Als kurz darauf auch noch der überzeugte Sozialdemokrat Emil Roland vorübergehend nach Tettnang zugezogen und dem Arbeiterbildungsverein beigetreten war, wurde zur Gründung einer Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) in dieser Stadt geschritten. 25 Personen bildeten ab dem Mai 1870 die Mitgliedschaft der Partei, sie beschafften sich Fotografien von Lassalle, Liebknecht und Bebel, welche sodann im Vereinslokal des Arbeiterbildungsvereins angebracht worden sind. Dieser Verein war allerdings nicht in seiner Gesamtheit der SDAP beigetreten. Von nun an beteiligten sich die Tettnanger Sozialdemokraten auch an den Tagungen des zunehmend linksorientierten württembergischen Gauverbandes der Arbeiterbildungsvereine. Mit dem Wegzug Emil Rolands ließ die anfängliche Begeisterung für sozialdemokratisches Ideengut jedoch alsbald wieder nach und die sozialdemokratische Organisation Tettnangs dürfte sich um 1875 mehr oder weniger aufgelöst haben.

Erst im Jahr 1906, also bereits einige Zeit nach Aufhebung des „Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, liest man wieder von sozialdemokratischen Wahlversammlungen in der Oberamtsstadt; großes Aufsehen erregte dann ein SPD-Aufmarsch am 1. Mai 1909, der mit organisatorischen Unterstützung aus Friedrichshafen zustande gekommen war. Im Jahr 1910 schritt man erneut zur Gründung einer sozialdemokratischen Organisation, welche jedoch alsbald von missgünstig gesinnten „Zentrumskreisen gesprengt“ wurde. Tettnangs größter Arbeitgeber, der mächtige Zentrums-Landtagsabgeordnete Georg Locher, dürfte wohl Entsprechendes hierzu beigetragen haben.

Im Gefolge der Novemberrevolution und des Zusammenbruchs des Kaiserreichs wurde in Tettnang, „dem Wunsch einiger alten, auf diesem isolierten Posten stehenden Genossen“ entsprechend, am 22.11.1918 wiederum ein „Sozialdemokratischer Verein“ ins Leben gerufen. Derselbe hatte alsbald über 140 Mitglieder und konnte 1919 mit dem Hafnermeister Georg Martin erstmals einen Sozialdemokraten ins Stadtparlament entsenden. Die anschließend auch vor Ort vollzogene Parteispaltung in MSPD und USPD machte den Tettnangern jedoch schwer zu schaffen, Mitte der 1920er Jahre war auch der dritte Versuch, in der Oberamtsstadt eine sozialdemokratische Organisation zu etablieren, gescheitert. Es verblieb aber die „Arbeitsgemeinschaft Tettnang“ als organisatorischer Restbestandteil, welche wenigstens zu den Kommunalwahlen jeweils Kandidatenlisten aus der Arbeitnehmerschaft einreichte. Außerdem konnten die Vorfeld-organisationen wie der „Sängerbund“ oder der Konsumverein weiterhin am Leben erhalten werden, sie waren Heimstätten sowohl sozialdemokratischer als auch kommunistischer Arbeiterfamilien geblieben.

Nach „Drittem Reich“ und Zweitem Weltkrieg schritt man im Juni 1946 zur erneuten und bis zur Gegenwart beständigen Wiedergründung des SPD-Ortsvereins Tettnang. Monteur Wilhelm Beck war erster Nachkriegs-Vorsitzender, Baumeister Hermann Peter erster Nachkriegs-Stadtrat der Sozialdemokraten.

 

Meckenbeuren und Kehlen

„Bescheidene Anfänge als Tettnanger Ableger“

Dem Bericht des Oberamtes Tettnang an die Königliche Kreisregierung in Ulm zufolge galt im Jahr 1894 eine Person in Unter-Meckenbeuren als Sozialdemokrat. Dieser Sachverhalt genügte bereits, um seitens des Schultheißen „die Mitglieder des Gemeinderates zum Entgegenwirken gegen die Sozialdemokratie zu verpflichten“. Eine erste große öffentliche SPD-Versammlung fand dann im Jahr 1911 statt, sie wurde seinerzeit vom „Sozialdemokratischen Verein“ Tettnang initiiert. Dabei referierte Karl Massatsch aus Stuttgart in der Bahnhofs-Wirtschaft zu den bevorstehenden Reichstagswahlen.

Ebenfalls waren es die Tettnanger Sozialdemokraten, welche dafür sorgten, dass im Mai 1919 erstmals ein sozialdemokratischer Wahlvorschlag für Meckenbeuren eingereicht worden war. Als Spitzenkandidat der neunköpfigen Liste fungierte Robert Räber, Vorsitzender der Tettnanger SPD und damals im zu Meckenbeuren gehörenden aber mit Tettnang zusammengewachsenen Bechlingen wohnend. Die Liste kam auf immerhin gut 9% der Stimmen, Obersäger Franz Frommlett konnte einen Sitz im Gemeinderat erringen.

Anschließend gewann jedoch die KPD Meckenbeurens Arbeiterkreise für sich; dies zeigte sich nicht nur an den Wahlergebnissen, sondern wurde auch bei der Auflösung des „Freien Männerchors“ sowie des Arbeiter- Rad- und Kraftsportbundes „Solidarität“ durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 deutlich: Bei den Arbeitersängern fand man eine Sowjetfahne, die „roten Radler“ waren im Besitz eines Thälmann-Bildes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Sozialdemokratie sowohl in Meckenbeuren als auch in Kehlen organisatorisch Fuß fassen und in die Gemeinderäte einziehen: Gewählt wurden Adolf Hauser in Meckenbeuren sowie Hermann Schieferstein aus Kehlen-Reute.

 

Langenargen

„Rote Seehasen – Rote Feldpost – Rote Fischer

In Langenargen war freiheitlich-demokratisches Gedankengut schon recht früh auf fruchtbaren Boden gefallen: Bereits zu Zeiten der 1848er-Revolution hatte sich dessen Schultheiß Johann Gottlieb Hutten für die Linke in die Zweite Kammer der Württembergischen Ständeversammlung wählen lassen. Im Oberamtsbezirk Tettnang erhielt er mit 45% die relative Mehrheit der Wahlmännerstimmen. Seine Gesinnungsgenossen vor Ort, vom politischen Gegner als „Rothe Seehasen“ tituliert, forderten seinerzeit die Abschaffung der Lebenslänglichkeit von Gemeindeämtern und provozierten zudem die geistliche Obrigkeit mit einer „nächtlichen Katzenmusik“ vor dem Pfarrhaus.

Einige Zeit später machte die „Rote Feldpost“ von sich reden: Es handelte sich hierbei um eine illegale Verteilerorganisation der seinerzeit verbotenen Sozialdemokratie, welche in der Schweiz hergestelltes politisches Agitationsmaterial über den Bodensee hinweg ins Deutsche Reich herüberschmuggelte. Einer der wichtigsten Anlandungspunkte war hierbei Langenargen, von wo aus im Jahr 1880 das Parteiblatt „Der Sozialdemokrat“ „teils in Briefen, teils in Kisten“ ins gesamte Reich weiterverteilt wurde.

Im Gefolge der Novemberrevolution 1918 fasste die politische Linke endgültig Fuß im alten Montfort-Städtchen am Obersee. Zunächst wurde der Linkssozialist Otto Manz als Langenargener Vertreter in den Bezirks-Arbeiter- und Soldatenrat Friedrichshafen gewählt, im Anschluss daran gründeten sich zu Beginn des Jahres 1919 Ortsvereine der MSPD und der USPD. Die Mehrheitssozialdemokratie war sodann bei den Urnengängen der „Weimarer Republik“ sehr erfolgreich in Langenargen. Sie erzielte mit bis zu 40% bei Kommunalwahlen die besten Ergebnisse im württembergischen Oberland. Diese Resultate verdankte sie nicht zuletzt ihren bodenständigen Vertretern aus der Berufsfischerschaft, angeführt vom württembergischen Landes-Oberfischermeister August Jäger. Sein politischer Erfolg wurde Jäger in späteren Jahren zum persönlichen Verhängnis: Bereits zu Zeiten der Bundesrepublik versagte die Oberin des Langenargener Altenheims dem Bundesverdienstkreuz-Träger Jäger die Aufnahme in ihr Haus, weil er sich als Sozialdemokrat exponiert habe.

Der gegenwärtige SPD-Ortsverein Langenargen wurde am 10. August 1946 wiedergegründet. Mit knapp 23% erzielte die Langenargener SPD auch bei der zurückliegenden Gemeinderatswahl 2009 das beste Ergebnis im ehemaligen Oberamt bzw. Landkreis Tettnang.

 

Hemigkofen und Nonnenbach (heute: Kressbronn)

„Schulter an Schulter mit der Arbeiterklasse Deutschlands gegen den Faschismus“

Während des Kaiserreichs war in den beiden Hochburgen der katholischen Zentrumspartei Hemigkofen und Nonnenbach, welche im “Dritten Reich“ zur Gemeinde Kressbronn vereinigt wurden, ein ähnlich bescheidenes Dasein der Sozialdemokratie wie in nahezu allen Landgemeinden des württembergischen Oberlandes zu verzeichnen.

Dies änderte sich durch das erstarkte Selbstbewusstsein der Arbeitnehmerschaft im Zusammenhang mit der Novemberrevolution 1918. Bereits in deren Vorfeld trafen sich die „Rüstungsarbeiter“ beider Orte im Hemigkofener „Löwen“, um gegen die schlechte Lebensmittelversorgung zu protestieren. Am 10.11.1918 fand dann eine sozialdemokratische Versammlung statt, in deren Verlauf Kaspar März dem Bezirks-Arbeiter- und Soldatenrat Friedrichshafen hinzugewählt wurde. März fungierte dann auch als erste Vorsitzender des „Allgemeinen Arbeitervereins“ Hemigkofen-Nonnenbach. Die Arbeiter schufen sich damit am 8. März 1919 eine eigene Interessenvertretung, die sich jedoch bewusst keiner politischen Partei annähern wollte und damit wohl vor allem den im ländlichen Hemigkofen weiterhin bestehenden Vorbehalten gegenüber der Sozialdemokratie Rechnung trug. Die Anhängerinnen und Anhänger der Sozialdemokratischen Partei in beiden Gemeinden konnten allerdings dem „Sozialdemokratischen Verein“ Langenargen beitreten und organisierten mit demselben zahlreiche Veranstaltungen während der „Weimarer Republik“. Auch gab es in Nonnenbach zwei sozialdemokratische Gemeinderäte: 1919 gelang dem Fischer Carl Ott der Einzug ins Kommunalparlament, im Jahr 1928 wurde Paul Weese in dieses Gremium gewählt. In Nonnenbach, dem südlichen Teil der heutigen Gesamtgemeinde mit seiner Bodan-Werft, fand die SPD mit bis zu 15% Stimmenanteil deutlich mehr Zustimmung als im fast ausschließlich bäuerlichen Hemigkofen.

Unter lebhaften „Frei Heil!“-Rufen gründeten die Anhänger der Sozialdemokratie im heutigen Kressbronn am 15. März 1931 eine Ortsgruppe des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ mit dem Vorsitzenden Paul Weese an der Spitze, dessen Veranstaltungen tatkräftig vom Friedrichshafener und Langenargener „Reichsbanner“ unterstützt worden sind. Gemeinsam verfügten die drei Ortsgruppen des „Reichsbanners“ mit seinem Häfler Kreisvorsitzenden Valentin Dach über eine Hundertschaft uniformierter Männer, die unter Vorantritt eines Spielmannszuges Werbemärsche für die SPD durchführten und bei sozialdemokratischen Versammlungen den Saalschutz übernahmen. Eine der eindrucksvollsten Versammlungen der ab 1932 zur „Eisernen Front“ vereinigten sozialdemokratischen Arbeiterschaft wurde im März 1932 im Nonnenbacher „Engel“-Saal abgehalten. Valentin Dach appellierte dabei an die Anwesenden, bei den „kommenden Wahlen den Faschismus zu schlagen“. Diesem Appell schloss sich SPD-Mitglied Werner im Namen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter der Bodan-Werft an und gelobte, „Schulter an Schulter mit der Arbeiterklasse Deutschlands gegen den Faschismus zu kämpfen und ihn siegreich zu schlagen“. Doch blieben all diese Bemühungen vergebens, bei der letzten „halbfreien“ Reichstagswahl am 5. März 1933 standen den 532 NSDAP-Stimmen lediglich 73 sozialdemokratische Wählerinnen und Wähler in Hemigkofen und Nonnenbach gegenüber.

Am 17. August 1946 wurde im Gasthaus zum „Adler“ der gegenwärtig bestehende SPD-Ortsverein Kressbronn aus der Taufe gehoben, als erster SPD-Gemeinderat nach dem Zweiten Weltkrieg fungierte Hans Menzel.

 

Ailingen und Umgebung

„Der ‚wahre Jacob‘ in Ettenkirch“

Im Jahr 1894 berichtete der Tettnanger Oberamtmann an die Königliche Kreisregierung des Donaukreises in Ulm, dass ein in Ettenkirch ansässiger Tagelöhner das sozialdemokratische Blatt „Der wahre Jacob“ am Ort verbreitet habe, es ansonsten aber „ruhig geblieben“ sei. Wie in Ettenkirch, so wirkten auch in Ailingen „die Ortsgeistlichen, Lehrer und die Mitglieder der bürgerlichen Kollegien“ als „entschiedene Gegner der Sozialdemokratie“. Drei Jahre später war es mit dieser Ruhe vorbei: In der Wirtschaft des Peter Bucher in Lempfriedsweiler, Gde. Ettenkirch, hatten zwei sozialdemokratische Versammlungen stattgefunden. Trotz des Auftritts eines Agitationsredners aus Stuttgart sei jedoch ein eher schwacher Besuch zu verzeichnen gewesen. Die Reichstagswahl des Jahres 1898 bestätigte diesen oberamtlichen Befund: In Berg und Ettenkirch wurde jeweils nur eine Stimme für die Sozialdemokratie abgegeben, Ailingen und Hirschlatt hingegen waren sogar gänzlich „sozialistenfrei“ geblieben.
Dies änderte sich erst in der Gründerzeit der „Weimarer Republik“: Die Mehrheitssozialdemokratie erzielte in Ailingen immerhin 13%, in Berg waren es bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung knapp 11%, in Hirschlatt gut 9% und in Ettenkirch kam man auf 7% der Stimmen. Eine Vereinsgründung gelang damals jedoch noch nicht. Trotzdem fanden immer wieder sozialdemokratische Versammlungen in den Landgemeinden nördlich von Friedrichshafen statt, welche vom Häfler SPD-Ortsverein organisiert worden waren. So sprach der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Anton Arnold aus Schussenried im April 1932 im Ailinger „Adler“ zum Thema „Wir holen aus zum Dritten Schlag“ – allerdings mit bescheidenem Erfolg. Die Kommunisten wurden in Ailingen zur stärksten Linkspartei und ließen bei der Novemberwahl zum Reichstag mit 10,5% die SPD (4,9%) klar hinter sich.

1946 kandidierten dann erstmals sozialdemokratische Bewerber für die Gemeinderäte von Ailingen und Ettenkirch. In Ailingen wurde Georg Kroner, in Ettenkirch Georg Dullenkopf gewählt. In dieser Zeit wurde auch der SPD-Ortsverein Ailingen gegründet.

 

Oberteuringen

„Die Sozialdemokraten konnten die Überzeugung gewinnen, dass hier kein Boden für sie sei“

Oberteuringen, bekanntlich ebenfalls keine ausgesprochene Hochburg der Sozialdemokratie, beherbergte schon im Jahr 1897 eine SPD-Versammlung auf seiner Gemarkung. Dieselbe wurde offenbar von den „Sozialdemokraten in dem benachbarten Markdorf, Baden“ veranlasst und fand in Neuhaus statt. Redakteur Agster aus Stuttgart sprach hierbei zum Thema „Was will die Sozialdemokratie?“. Als weitere offizielle Parteivertreter traten ein Konstanzer Sozialdemokrat namens Kron, welcher die Versammlung leitete, sowie der Markdorfer Arzt Dr. Gebhard auf. Von letzterem weiß das Oberamt in seinem Bericht an die Kreisregierung in Ulm mitzuteilen, dass er „aber in Folge von Betrunkenheit nicht zu Wort kam bzw. nicht sprechen konnte“. Diese eher unrühmliche Anekdote soll dem Geschichtsinteressierten nicht vorenthalten werden, sie steht vielleicht beispielhaft für viele neu aufkommende soziale Bewegungen bis hin zur Gegenwart, in denen sich zunächst auch eher seltsame Persönlichkeitsstrukturen bewegen. Allerdings sahen sich gleich „drei Geistliche aus der Gemeinde Oberteuringen“ dennoch bemüßigt, der sozialdemokratischen Agitation entgegenzutreten.

Der nächste bekannte Versuch, sozialdemokratisches Gedankengut in Oberteuringen zur Entfaltung zu bringen, stammt erst aus dem Jahr 1946. Zwei Landwirte versuchten bei der Gemeinderatswahl, zum ersten Mal eine SPD-Vertretung im Kommunalparlament zu etablieren, hatten damit aber keinen Erfolg. 14% der abgegebenen Stimmen dürfen – ebenso aus heutiger Sicht – als ein für Oberteuringen respektables Ergebnis gewertet werden, auch wenn alle sechs Sitze der CDU zufielen.

Gerhard Raichle ist Historiker und pensionierter Gymnasiallehrer in Friedrichshafen, Andreas Fuchs führt das Archiv der Sozialdemokratie am Bodensee, die „Samuel-Spindler-Sammlung“, im Vorarlberger Landtag, Bregenz.

 

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