SPD Tettnang

Vom Neumitglied zur Vorsitzenden: Der „kometenhafte Aufstieg“ einer Roten

Veröffentlicht am 18.06.2023 in Aus dem Parteileben

14 Jahre stand Siglinde Roman an der Spitze des Tettnanger SPD–Ortsvereins. Über eine Lokalpolitikerin, die die Verantwortung nie gescheut hat.

Veröffentlicht:12.06.2023 von: Olaf E. Jahnke

14 Jahre hat Siglinde Roman dem Tettnanger SPD–Ortsverein vorgestanden, im Mai hat sie ihr Amt an Jan Bank weitergegeben. Was hat sie erreicht, welche Aufgaben blieben unerledigt? Über eine Lokalpolitikerin, die die Verantwortung nie gescheut hat. Zum Amt habe sie sich damals „überreden“ lassen, denn nach schwierigen Zeiten sei der Ortsverein nicht im besten Zustand gewesen. „Dass das 14 Jahre ging, hätte ich wirklich nicht gedacht“, erklärt die engagierte Sozialdemokratin, Jahrgang 1951.„Wir waren schon von der Familie her Sozialdemokraten,“ sagt die aus Wangen stammende SPD–Frau. Als sie das Amt antrat, sei ihr Parteibuch allerdings noch ganz neu gewesen. „Ein kometenhaften Aufstieg vom Neumitglied zur Vorsitzenden“, scherzt Roman.

Vor der Arbeit geht es zum Tennis–Training

1972 ist sie von Wangen nach Tettnang gezogen. Der Beruf als Sportartikel–Einzelhandelskauffrau habe sie geprägt. Sie habe beruflich Verantwortung übernommen, aber sich auch für die Themen begeistert. Bergsport, Reitsport und Bogenschießen waren neben Wandern und Klettern ihr Gebiet. Dann kam die Tennisbegeisterung. Schließlich wollte sie nicht ahnungslos Sportkunden beraten. So sei ein zweistündiges Tennis–Training vor der Arbeit nicht ungewöhnlich gewesen. Nur zum Reiten ließ sie sich nicht überreden. Tennis, Skifahren und Bergsport blieben, solange es die Gesundheit erlaubte, ihre Leidenschaft. Auch im Sportverein TSV war sie lange ehrenamtlich tätig. Nordic Walking, Fitness und Fahrradfahren macht sie bis heute. Mit viel Engagement und Herzblut ist sie inzwischen im KiTT–Verein für Kino und Kleinkunst dabei. Schon zuvor sei sie 25 Jahre lang treue Kinogängerin gewesen.

SPD sollte sichtbarer werden — in Tettnang und im Bodenseekreis

Auch im Ortsverein waren ihr Traditionen wichtig. „Die Parteijubiläen waren immer eine Herausforderung für mich“, erläutert Roman. Ebenso wichtig ist ihr, dass die SPD sichtbar im Gemeinderat agiert und sowohl in Tettnang wie auch im Bodenseekreis sichtbarer geworden ist. Anfangs sei das nicht leicht gewesen, hier habe der sportliche Ehrgeiz geholfen. „Als rote Ortsvorsitzende war ich gern unterwegs“ sagt Roman, die ohne Scheu für ihre Positionen eingetreten ist. Höhepunkte waren bei Tagungen, Parteitagen und Besuchen das Kennenlernen begeistert auf, bis zur persönlichen Begegnung mit Bundeskanzler Olaf Scholz. Als sie von ihrer Archivarbeit für den Ortsverein berichtet, leuchten ihre Augen: „Da habe ich mich richtig reingekniet, und unser Orts–SPD–Archiv komplettiert.“ Das ist eine der Aufgaben, die Roman weiterführt.

Als stellvertretende Kreisvorsitzende hat sie einiges bewegt ebenso wie bei der Initiative SPD 60 Plus. Was bleibt, ist die Tätigkeit als Beisitzerin im Ortsverein. Insgesamt, so hofft sie, ist mit neuen jüngeren Kräften wieder eine stärkere SPD in Aussicht. Stolz ist sie darauf, dass ihr Wirken in die Zeit gestiegener Internet–Aktivitäten fiel. Die Grundlage für eine Social–Media–Präsenz habe sie sich — dank ihrer Tochter — auch erarbeitet, bis hin zur Web–Konferenz.

Ein Ziel sei nicht ganz umgesetzt geworden, stellt Roman fest: „Ein gewisses Vorurteil gegen die Sozialdemokratie ist hier in Oberschwaben immer noch nicht ganz ausgeräumt. “Für die Offenheit im Umgang mit Menschen haben sie zahlreiche Auslandsaufenthalte in nichteuropäischen Ländern inspiriert. „Da sind mir die Werte Gerechtigkeit, soziale Verantwortung und politisches Denken wichtig geworden“, erinnert sich Roman.

Es ist wichtig, sich zu engagieren“

Inzwischen ist sie mit familiären Pflegeaufgaben teilweise beschäftigt. Dazu hat sich noch einen „Hobbyjob“ in Teilzeit in einem Papierladen. Schließlich kann sie sich ganz ohne Tätigkeit den Alltag nur schwer vorstellen.„Es ist wichtig, sich zu engagieren“, weiß Roman und ergänzt: „Bei den politischen Fragen darf es ruhig bunt sein.“ Extremen Positionen, wie sie etwa die AfD vertrete, müsse man sich entgegenstellen. Siglinde Roman ruft zur Stärkung der Demokratie auf: „Wählen gehen ist überaus wichtig. Ob Europa– , Bundestags–, Landtags– oder Kommunalwahlen.“ Ihrem Nachfolger Jan Bank wünscht Roman: „Geduld, Zeit, Rückhalt und gute Nerven.“

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